Behandlungszahlen bei Glücksspielsucht 2010 im Saarland gestiegen

Datum: 
6. Juni 2011

"Wir müssen früher reagieren ..."

Die Zahl der beratenen bzw. behandelten Glücksspielsüchtigen im Saarland ist 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 28% von 255 auf 326 Betroffene gestiegen. 52 Angehörige suchten 2010 nach Rat und Hilfe. Dies ergab eine von der Landesfachstelle Glücksspielsucht durchgeführte Befragung der Suchtberatungs- und Präventionsfachstellen und der Psychosomatischen Fachkliniken im Saarland.

Die umfassende Beteiligung an der Befragung zeigte erneut die gute Zusammenarbeit zwischen den ambulanten und stationären Einrichtungen in diesem Bereich. Aufgrund der hohen Nachfrage müssen viele Patienten auch in die Psychosomatische Fachklinik nach Daun vermittelt werden.

Die Landesfachstelle hat zur vertieften Kooperation mit den Schwerpunktberatungsstellen der Caritas in Neunkirchen und Saarbrücken und den Psychosomatischen Fachkliniken Münchwies und Berus ein Kompetenznetzwerk Glückspielsucht gegründet.

Im Saarland gibt es inzwischen ca. 3000 Glücksspielsüchtige und zusätzlich 4000 Problemspieler.

"Allerdings müsse man das immer stärker anwachsende Problem der Glücksspielsucht viel früher angehen, damit es gar nicht erst zu einem krankhaften Spielverhalten kommt", so der Leiter der Landesfachstelle Hartmut Görgen.

Wir müssen potenziell gefährdete Menschen weitaus früher ansprechen. Risikogruppen sind z.B. Jugendliche und junge Erwachsene sowie viele Menschen mit Migrationshintergrund. Während im Bereich der staatlichen Glückspielangebote schon ein wirksamer Schutz vor Glücksspielproblemen installiert wurde, wird im Bereich der gewerblichen Geldspielautomaten in Spielhallen und gastronomischen Betrieben „nicht ein Euro“ für Prävention gegen Glücksspielsucht investiert. „Das können wir uns im Saarland bei den ständig steigenden Zulassungen von gewerblich betriebenen Spielhallen nicht länger leisten, weil letztlich die Bürger die Kosten der sozialen Schäden tragen müssen“, so Görgen.

Die Landesfachstelle fordert auch alle Kommunen und Landkreise auf eine Förderung von speziellen Präventionsmaßnahmen für den Bereich Glücksspielsucht in ihre Haushaltsberatungen aufzunehmen. „Dies ist aufgrund der steigenden Einnahmen aus der Vergnügungssteuer und aus der Verantwortung gegenüber all jenen, die in den Kreislauf einer Spielsucht geraten eigentlich eine Selbstverständlichkeit, denn ohne finanzielle Mittel können wir nichts tun“, betonte Görgen.